Auftragen, polieren !

Nachdem ich so viel gemeckert habe, möchte ich auch mal etwas positives von mir geben. Es geht um freie Kunst in der Haut. So viele Tätowierer machen absolut grandiose Arbeiten. Selbstgezeichnete Konzepte. Teilweise werden diese Arbeiten digital vorgezeichnet, manchmal auf dem Papier , hin und wieder auch mit Stiften direkt auf die Haut. Als ich vor 15 Jahren mit dem Tätowieren anfing, war es immer mein Traum ein guter Freihand Tätowierer zu werden.

Ich werde immer wieder von Anfängern gefragt wie man so etwas lernt. Die Antwort darauf ist sehr einfach, die Durchführung der Antwort hingegen gefällt vielen erstmal gar nicht so gut.

 

Wie schon Mr. Miyagi sagte: “ Auftragen, polieren! “

Damit hatte er Recht. Zumindest mit dem in den Filmen resultierenden  Ergebnis. Was damit gemeint ist liegt ja eigentlich auf der Hand. Man muss üben. Sehr viel und sehr lang. Wie übt man also am besten?

Ich persönlich übe gern auf Papier oder digital. Generell aber mit Stiften. Allen Arten von Stiften. Das gefällt natürlich vielen erstmal nicht. Viele Leute denken man zeichnet ein wenig und kann es dann. Das ist leider absolut falsch. Ich selbst kann noch lange nicht so zeichnen wie ich es gern könnte. Ich denke ich werde auch niemals so gut sein wie ich möchte. Das ist der Trick. Man macht eine Entwicklung durch. Eine stetige lebenslange Entwicklung.

Übung macht den Meister. Übung macht aber auch Spaß

Ich habe so viele Zeichnungen und Skizzen in den letzten Jahren angefertigt. Viele schmeißt man weg, manche behält man. Ich habe alle möglichen Stilrichtungen ausprobiert um zu wissen was mir gefällt oder was ich in meinen Augen besonders gut kann.

Viele Tätowierer fangen an und wissen sofort: “ Ich will nur Oldschool machen! “

Ich benutze ganz bewusst dieses Beispiel, weil Oldschool auf den ersten Blick erstmal relativ einfach zu Lernen ist. Glauben zumindest viele. Einige Tätowierer aus dem Bereich würden mir wahrscheinlich jetzt gerne den Kopf abreißen, was verständlich ist.

Ich meine es aber gar nicht böse und habe vor allem vor den großen Künstlern dieser Stilrichtung großen Respekt. Aber viele junge Tätowierer kopieren die einfachen Designs und halten sich für ganz toll und innovativ. Das gleiche gilt im Übrigen für viele andere kreative Bereiche.

Inspiration ist etwas anderes. Jeder Künstler holt sich Inspirationen, ich mache das auch. Man hat Vorbilder, denen man versucht nachzueifern. Das ist normal. Was ich aber sagen möchte ist, dass viele Tätowierer den Weg des geringsten Wiederstands gehen möchten.

„Ich mach halt nur oldschool, fertig“. Ohne sich mit anderen Stilen zu befassen. Ich habe zum Beispiel relativ schnell gemerkt, dass mir tribale Designs nicht so liegen. Ich habe viele gezeichnet aber irgendwie kam ich nicht rein in den Stil. Das ganze hat mir aber trotzdem geholfen meine biomechanischen Designs zu formen, da ich mich mit Formen auseinandergesetzt habe. Das kommt mir natürlich nun zu Gute.

Ich kann also jedem Anfänger nur dazu raten den Stift erst einmal nicht aus der Hand zu legen. Viel zu schnell wollen alle Tätowieren ohne etwas dafür zu tun. Das kann natürlich nicht funktionieren.

 

Kommen wir nun also zum Biomech, eine meiner liebsten Stilrichtungen. Viele dieser Designs zeichne ich direkt auf die Haut, manche bereite ich auf Papier oder auch digital vor. Allerdings ist jede Linie, jeder Skizze, eine Übung mich auf diesen Stil einzustellen und somit eine Art der Vorbereitung.

Mit einem Stift zeichne ich die grobe Form vor.

Es ist ein abstrakter Stil, der nicht unbedingt etwas abbilden soll. Es geht um Strukturen, Texturen und Formen. Deswegen ist eigentlich so gut wie alles erlaubt.

so sieht dann die fertige Tätowierung aus.

Allerdings erfordert das, die Auseinandersetzung mit Formen und Farben. Bevor man also Freihand auf die Haut gehen kann braucht man eine Menge Übung. Da ich diesen Stil aber total gerne tätowiere und auch zeichne macht mir die Übung überhaupt nichts aus. Darum geht es also, man muss manchmal Dinge tun die keinen Spaß machen um zu lernen was einem Spaß macht. Nur so kann man darin besser werden.

Meine Reise ist also noch lange nicht vorbei. Ich liebe es, mich mit Farben und Formen auseinanderzusetzen und werde das auch weiterhin tun.

So Leute, ich hab mal wieder genug rumgelabert bzw. geschrieben. Ich werd mich jetzt mal an my iPad setzen und den Apple Pencil schwingen. Übung macht den Meister.  Ich hoffe ihr nutzt euer Wochenende um auch etwas produktives zu tun. Als Anhang habe ich mal ein kleines Video gepostet in dem man mal sehen kann wie der workflow an einem meiner Projekte so aussieht. Das Programm „ProCreate“ auf dem iPad hat diese integrierte Funktion, was ich absolut geil finde. Sollte der ein oder andere Zeichner diesen Text bis hier hin gelesen haben, kann ich dieses Programm auf jeden Fall empfehlen.

 

Abschließend bleibt zu sagen, dass ich Respekt vor jedem Künstler habe , der versucht sich stetig zu entwickeln. Stillstand ist der Tod. Wer meint, alles zu können, kann auch direkt aufhören. Das ist zumindest meine Meinung.

 

Vielen Dank für´s Lesen. Ich versuche nun von Zeit zu Zeit weitere informative Texte zu verfassen und freue mich wenn es euch gefällt

 

Liebe Grüße

Olli aka. Heinz Graynd

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